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Leitfaden „Namensänderung von Aramäern“

Nach mehr als 1 1/2 Jahren intensiver politischer Arbeit haben Bundeskabinett und Bundesrat der Initiative des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland zugestimmt. Am 18. Februar 2014 erschien die geänderte Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndVwV), unterzeichnet von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière, im Bundesanzeiger und ist somit in Kraft getreten.
Die Änderung der Verwaltungsvorschrift ermöglicht es den in Deutschland lebenden Aramäern und anderen betroffenen Minderheiten, ihre ursprünglichen Familiennamen, die sie in der Türkei zwangsweise aufgeben mussten, wiederherzustellen.
Die neu eingefügte Nr. 44a NamÄndVwV lautet:
 
„Ist ein zwangsweise eingeführter Familienname Ausdruck von Verfolgung und Unterdrückung, so kann der ursprüngliche Familienname für den Betroffenen sowie für seine Abkömmlinge durch eine Namensänderung wiederhergestellt werden.“
 
Damit existiert nun eine verbindliche Rechtsgrundlage, auf die sich Aramäer bundesweit berufen können, um bei den zuständigen Behörden eine positive Bescheidung ihres Antrags auf Änderung des Familiennamens zu erreichen. Insbesondere kann von ihnen nicht mehr aufgrund mangelnder „unmittelbarer Betroffenheit“ ein Nachweis ihrer seelischen Belastung in Form eines fachärztlichen Gutachtens verlangt werden, da die neue Regelung ausdrücklich auch die „Abkömmlinge“ der von der zwangsweisen Auferlegung des Familiennamens Betroffenen als Antragsberechtigte mit einbezieht.
 
Zu den Hintergründen:
Wir sind Aramäer, haben aber, soweit wir aus der Türkei stammen, ausnahmslos alle einen türkischen Familiennamen. Viele von uns haben sich sicher schon einmal gefragt, warum das so ist.
Mit dem Gesetz 2525 vom 21.06.1934 wurden in der Türkei die Familiennamen eingeführt. Gem. Art. 3 dieses Gesetzes durften u. a. Namen „fremder Rassen oder Nationen“ nicht verwendet werden. Alle Aramäer haben deshalb zwingend türkische Familiennamen erhalten. Die Eintragung von aramäischen Familiennamen in die Personenstandsregister war nicht möglich. Das Gesetz ist heute noch gültig und dessen strikte Anwendung wurde gerade in den letzten Jahren von der höchstrichterlichen Rechtsprechung in der Türkei (Oberster Gerichtshof und Türkisches Verfassungsgericht) ausdrücklich gebilligt.
 
Trotz des formalen türkischen Familiennamens werden die aramäischen Familiennamen innerhalb der aramäischen Gemeinschaft im mündlichen Umgang miteinander noch bis zum heutigen Tage gepflegt.
Vereinzelt haben Aramäer in Deutschland eine Namensänderung durchgeführt, also ihren alten Familiennamen in den offiziellen Unterlagen wiederhergestellt.
Leider aber sind viele bei den Behörden oder den Verwaltungsgerichten gescheitert. Spätestens seit einem Urteil des Verwaltungsgerichts Augsburg aus dem Jahre 2002 ist es Aramäern in einigen Bundesländern so gut wie unmöglich, den Familiennamen zu ändern. Dies ist geradezu tragisch, wenn man bedenkt, dass das besagte Urteil letztlich auf einer falschen Auskunft des türkischen Gerichts in Midyat gegenüber der Deutschen Botschaft in Ankara beruhte. Aber auch andere teilweise falsche tatsächliche Feststellungen und rechtlich zweifelhafte Bewertungen führten oftmals zu negativen Entscheidungen vor Gericht.
 
Benjamin Be Djallo, der als Jurist auf Seiten des Bundesverbandes maßgeblich am Erfolg in dieser Sache beteiligt gewesen ist, hat sich – schon aufgrund eigener Betroffenheit, denn er hat im Jahre 2009 in einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren vor dem VG Berlin seinen Familiennamen von „Aydin“ auf „Be Djallo“ geändert – jahrelang mit diesem Thema auseinandergesetzt. Dies mündete in einem Aufsatz, welcher in der „Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik“, ZAR 7/11, veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine ausführliche und aufschlussreiche juristische Abhandlung zum Thema „Namensänderung bei Aramäern“. Der Bundesverband empfiehlt jedem Interessierten die Lektüre dieses Aufsatzes.
 
Politische Arbeit des Bundesverbandes – der Weg war nicht leicht:
Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hat das Anliegen vieler Aramäer, eine Lösung im Hinblick auf die bundesweit uneinheitliche Verwaltungs- und Gerichtspraxis in Sachen Namensänderung zu schaffen, aufgegriffen und gehandelt.
Bereits im Mai 2012 führte der Bundesvorsitzende Daniyel Demir ein erstes Gespräch mit Reinhold Sendker, CDU-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Warendorf, der seinerseits zuvor von vielen Aramäern aus Ahlen auf dieses Thema und die damit verbundenen Probleme angesprochen worden war. Herr Sendker machte von Anfang an seine Bereitschaft deutlich, uns in unserem Anliegen zu unterstützen, nämlich die Namensänderung für die Aramäer zu erleichtern bzw. grundsätzlich zu ermöglichen.
Im Anschluss kam es in den Jahren 2012 und 2013 zu mehreren politischen Treffen des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland mit Herrn Reinhold Sendker, dem Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Herrn Helmut Brandt, sowie Vertretern des Bundesinnenministeriums (BMI) bis hin zum Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Ole Schröder sowie der Integrationsministerin aus Baden-Württemberg, Bilkay Öney, in denen das Anliegen der Aramäer in dieser Sache vorgetragen und besprochen wurde.
Bei den zahlreichen Gesprächen standen verschiedene Lösungswege im Raum. Es wurde zunächst darauf hingewiesen, dass die Regelungen des öffentlich-rechtlichen Namensrechts eine „eigene Angelegenheit“ der Länder sei, so dass eine Dienstanweisung seitens des BMI an diese schon formal nicht möglich sei.
 
Die andere Alternative, eine entsprechende Änderung des Namensänderungsgesetzes würde Jahre in Anspruch nehmen, abgesehen von der Frage, ob diese zum Erfolg geführt hätte. Dieser Lösungsansatz wurde daher nicht weiter verfolgt, zumal uns betroffenen Aramäern nicht zeitnah hätte geholfen werden können. Vereinbart wurde im Februar 2013, dass das Fachreferat im BMI weitere Erkundigungen bei den Bundesländern einholen und alle weiteren Optionen prüfen würde.
Es ist bei diesem komplexen politischen Prozess ein großer Erfolg, dass schon im Juni 2013 Fortschritte mit dem BMI verwirklicht werden konnten. Konkretes Ergebnis unserer Gespräche war nun, dass eine Änderung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Namensänderungsgesetz vom BMI als zielführend angesehen wurde. Konkret wurde die o. g. neue Fallgruppe, Nr. 44a NamÄndVwV, vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um eine exakt auf die Bedürfnisse der Aramäer gerichtete Vorschrift. Die Voraussetzung, „ein zwangsweise eingeführter Familienname als Ausdruck von Verfolgung und Vertreibung“, trifft auf jeden aus der Türkei stammenden Aramäer zu.
 
Unser zu Beginn angestrebtes Ziel, dass seitens des Bundesinnenministeriums bzw. der jeweiligen Landesinnenministerien eine Art Dienstanweisung an die betreffenden Behörden ergeht, in der diese angehalten werden, Namensänderungsanträgen von Aramäern möglichst positiv zu bescheiden, wurde damit vor allem dank des hartnäckigen und unermüdlichen Einsatzes von Herrn Reinhold Sendker noch übertroffen. Die Aramäer in Deutschland müssen sich also nicht auf eine schriftliche Weisung eines Ministeriums berufen, die z. B. aufgrund politischer und sonstiger Gegebenheiten zurückgenommen oder abgeändert werden könnte. Nein, die Aramäer können sich auf eine gesetzliche Vorschrift, konkret auf eine Verwaltungsvorschrift berufen, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist und nunmehr grundsätzliche Geltung für die Zukunft hat. Bemerkenswert ist im übrigen, dass es sich hierbei nach der 1. Änderung der NamÄndVwV im Jahre 1986 erst um die 2. Änderung der NamÄndVwV handelt.
 
Erforderlich bei dieser Verwaltungsvorschrift war die Zustimmung im Bundesrat. Diesbezüglich hatten auf Anfrage des BMI einige Länder im Vorfeld Zweifel angemeldet. Vorher musste die Änderung der Verwaltungsvorschrift zunächst über das BMI auf die Tagesordnung des Bundeskabinetts. Die dort erfolgte Zustimmung am 18.09.2013 war Voraussetzung dafür, dass über den Vorschlag im Bundesrat Ende November abgestimmt werden konnte.
 
Letztlich hat der Bundesrat am 29.11.2013 der Änderung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift erfreulicherweise mehrheitlich zugestimmt. Die wichtigste politische Hürde wurde damit überwunden. Die notwendige Veröffentlichung im Bundesanzeiger erfolgte am 18.02.2014.
 
Dieser große politische Erfolg ist für die Aramäer in der Bundesrepublik Deutschland historisch. Im Namen des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland danken wir den CDU-Bundestagsabgeordneten Herrn Reinhold Sendker, Herrn Helmut Brandt und dem gesamten Mitarbeiterstab ganz besonders für die hervorragende Zusammenarbeit, sowie dem Unterabteilungsleiter im BMI, Herrn Michael Scheuring, für seine tatkräftige Unterstützung.
 
Im Einzelnen:
  • Gespräch mit Reinhold Sendker (CDU) MdB und Helmut Brandt, Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im September 2012 im Deutschen Bundestag
  • Gespräch mit Bilkay Öney, Integrationsministerin Baden-Württemberg, im Oktober 2012 im Landtag/Stuttgart
  • Fortsetzungsgespräch mit Reinhold Sendker und Helmut Brandt im Februar 2013 im Deutschen Bundestag
  • Fortsetzungsgespräch mit Bilkay Öney im Juni 2013 im Landtag/Stuttgart
  • Große Gesprächsrunde mit Vertretern des Bundesinnenministeriums und dem Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Ole Schröder (CDU) MdB, Reinhold Sendker und Helmut Brandt im Juni 2013 im Deutschen Bundestag
  • Kontaktnahme des Bundesinnenministeriums Ende Juni 2013 mit den Landesinnenministerien und Senatsverwaltungen zur beabsichtigten Änderung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift
  • Kabinettsbefassung und positive Entscheidung am 18.09.2013
  • Zustimmung im Bundesrat zur Änderung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift am 29.11.2013
 
Im Namen des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland möchten wir jedem Aramäer/jeder Aramäerin ans Herz legen, dass er/sie sich zumindest Gedanken zum Thema türkischer Familienname/Wiederherstellung des aramäischen Familiennamens macht.
 
Warum? Es geht um unsere Identität als Aramäer. Der Familienname ist ein wichtiger Bestandteil der aramäischen Identität. Denn gerade der Familienname drückt eine bestimmte ethnische Volkszugehörigkeit aus.
Im Anhang befindet sich eine Musterbegründung mit Anlagen sowie eine Zusammenstellung von Fragen und Antworten zum Thema „Namensänderung bei Aramäern“.
 
Weitere Fragen hierzu können per E-Mail an den Bundesverband der Aramäer in Deutschland ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ) gerichtet werden.
 
Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende, damit weitere politische Erfolge dieser Art für die Aramäische Gemeinschaft erreicht werden können. Der Bundesverband ist ehrenamtlich tätig und als gemeinnützig anerkannt. Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Spendenbescheinigung aus.
 
Der Bundesvorstand


Musterunterlagen: Änderung des Familiennamens


Bei Namensänderung mit "Be" sind folgende Anlagen hinzuzufügen:

 


Fragen und Antworten zum Thema „Namensänderung bei Aramäern“

 

1.) Warum soll ich den türkischen Familiennamen aufgeben und den aramäischen Familiennamen annehmen?
1. Wir sind Aramäer und keine Türken. Der türkische Familienname ist damit per se falsch.
2. Wir wurden vom türkischen Staat gezwungen, türkische Familiennamen anzunehmen.
3. Der türkische Familienname ist für uns Aramäer nicht neutral. Unsere Vorfahren waren Opfer des in der Endphase des Osmanischen Reiches von der jungtürkischen Regierung initiierten Völkermordes, den wir den „Sayfo“ nennen. Der türkische Staat leugnet bis zum heutigen Tag dieses Verbrechen. Ja, es werden sogar teilweise die Täter verherrlicht. Die Leugnung ist letzte Stufe eines Völkermordes, man kann sie auch als die 2. Tötung bezeichnen.
4. Aufgrund des türkischen Familiennamens werden Aramäer in Deutschland als Türken und damit als Täter des Völkermordes wahrgenommen, obwohl wir die Opfer sind.
5. Und wir werden mit dem türkischen Familiennamen als Moslems wahrgenommen, obwohl wir Christen sind.
6. Gerade auch in Deutschland ist die Wahrnehmung sowohl als Türke, als auch als Moslem nicht neutral. Es gibt in der deutschen Bevölkerung Vorbehalte gegenüber Türken und gegenüber dem Islam. Dies belegen mehrere Studien aus den letzten Jahren. Als Aramäer mit türkischem Familiennamen ist man also unnötigerweise ebenfalls diesen Vorbehalten ausgesetzt.
2.) Wer ist antragsberechtigt?
Deutscher, Asylberechtigter, ausländischer/heimatloser Flüchtling, Staatenloser, Doppelstaatler.
Damit sind fast alle in Deutschland lebenden Aramäer antragsberechtigt, da sie meist entweder die deutsche Staatsbürgerschaft haben und/oder als Asylberechtigte anerkannt sind. Lediglich Aramäer, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind und ausschließlich die türkische Staatsbürgerschaft besitzen sowie Aramäer mit ausschließlich sonstiger Staatsbürgerschaft sind nicht antragsberechtigt, müssten im Heimatstaat die Namensänderung beantragen.
3.) Wo stelle ich den Antrag auf Änderung des Familiennamens?
Die Zuständigkeit für die Entgegennahme von eines Antrags auf Änderung des Familiennamens ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Am besten, Du fragt in der Stadt-/Kreisverwaltung nach. Die Entgegegnahme des Antrags und und die Zusammenstellung der Unterlagen obliegen der unteren Verwaltungsbehörde. Die Entscheidung über den Antrag trifft die höhere Verwaltungsbehörde. In Gütersloh stellt man den Antrag beim Standesamt, die Bearbeitung und Entscheidung trifft die Kreisverwaltung (Fachbereich Ordnung).
4.) Welche Unterlagen sind regelmäßig vorzulegen?
Personalausweis/Meldebescheinigung
Geburtsregisterauszug
Eheregisterauszug, wenn der Antragsteller verheiratet ist (Familienbuch)
Führungszeugnis (für alle Personen ab 14 Jahren)
Einkommensnachweis (um die Kosten eventuell zu senken)

Am besten, Du fragst gleich beim Abholen der Antragsunterlagen, was genau benötigt wird. Soweit Abschriften von Geburts- oder Heiratseinträgen nur in türkischen Dokumenten vorliegen, müssen diese ins Deutsche übersetzt werden. Oder diese Unterlagen müssen erst über das zuständige türkische Generalkonsulat eingeholt werden. Sollte es hier Schwierigkeiten geben, hilft Nr. 17 e) Satz 2 NamÄndVwV: „Ist die Beschaffung der erforderlichen Unterlagen nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten oder unverhältnismäßigen Kosten möglich, so kann die Verwaltungsbehörde sich mit der Vorlage einer kirchlichen oder anderer beweiskräftiger Bescheinigungen begnügen.“
5.) Wie hoch sind die Kosten der Änderung des Familiennamens?
Diese betragen zwischen 2,56 EUR und 1.022,- €. Die konkrete Höhe bemisst sich nach dem Verwaltungsaufwand unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse. In Gütersloh beträgt die Gebühr zwischen 250 – 400,- € je nach Verwaltungsaufwand. Gerade wenn man ein eher niedriges Einkommen hat, sollte man hierfür einen Nachweis vorlegen. Dadurch kann die Gebühr im Einzelfall (Student, Rentner, ALG 2-Bezierher) teilweise deutlich reduziert werden.
6.) Muss nur der Antragsteller eine Gebühr entrichten oder muss auch für die Ehefrau und die minderjährigen Kinder eine Gebühr entrichtet werden?
Nur der Antragsteller muss die festgelegte Gebühr bezahlen. Der neue Familienname wird schon im Antrag als neuer Ehename festgelegt und die minderjährigen Kinder werden miteinbezogen. Volljährige Kinder können sich dem neuen Familiennamen/Ehenamen anschließen (§ 1617 c Abs. 2 Nr. 1 BGB).
7.) Wie lange dauert das gesamte Prozedere der Namensänderung?
Hier kann man keinen genauen Zeitraum nennen. Eine Bearbeitungszeit von 2 – 3 Monaten ist realistisch. Im Einzelfall kann es auch zu einer erheblichen längeren Bearbeitungsdauer kommen. Es sind mehrere Behörden am Verfahren beteiligt und diese arbeiten unterschiedlich schnell. Es kommt darauf an, wie ausgelastet sie gerade sind. Wichtig ist, dass Du selbst alle notwendigen Unterlagen möglichst schon bei Antragsstellung beisammen hast.
8.) Die Behörde verlangt von mir ein psychologisches Gutachten. Nur dann will sie eine Namensänderung akzeptieren. Was soll ich tun?
Genau dieses Erfordernis ist mit der neuen Verwaltungsvorschrift Nr. 44a NamÄndVwV hinfällig geworden – wenn es denn vorher überhaupt erforderlich war (siehe hierzu den Aufsatz von Benjamin Be Djallo in „Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik“ – ZAR, Ausgabe 7/11). Denn die neue Verwaltungsvorschrift knüpft an objektive Tatbestände an, die grundsätzlich für jeden Aramäer aus der Türkei zutreffen: Sowohl die zwangsweise Auferlegung türkischer Familiennamen als auch die Verfolgung und Unterdrückung der Aramäer in der Türkei („Sayfo“ und vielfach staatliches Unrecht gegenüber den Aramäern bis zum heutigen Tage) sind nachweisbare Tatsachen. Und eine von einigen Verwaltungsgerichten geforderte „unmittelbare Betroffenheit“ des Antragsstellers, die als Begründung für die Einholung eines psychologischen Gutachtens vorgebracht wurde, ist ebenfalls hinfällig. Denn die neue Verwaltungsvorschrift stellt klar, dass nicht nur der Betroffene, sondern auch „seine Abkömmlinge“ den früheren Familiennamen wiederherstellen können. Sollte also ein psychologisches Gutachten verlangt werden, ist wie hier beschrieben zu argumentieren.
9.) Ich habe vor Jahren/vor langer Zeit einen Antrag auf Änderung des Familiennamens gestellt, der abgelehnt wurde. Soll ich es jetzt noch einmal versuchen?
Auf jeden Fall. Denn nunmehr kannst Du Dich auf die neue Verwaltungsvorschrift Nr. 44a NamÄndVwV berufen, die es gerade Aramäern ermöglicht, den Familiennamen zu ändern.
10.) Mir wurde seinerzeit mitgeteilt, dass eine Änderung des Familiennamens nur im Rahmen einer Einbürgerung möglich sei. Diese liegt bei mir schon lange zurück. Kann ich jetzt dennoch meinen Familiennamen ändern?
Ja, kannst Du. Die Ablehnung Deines früheren Antrages beruhte auf der Nr. 37 Abs. 2 NamÄndVwV, die dem Antragsteller im Anschluss an eine Einbürgerung im Interesse der weiteren Eingliederung das Recht auf einen „unauffälligeren Namen“ gewährt. Diese Regelung ist aber nur eine mögliche Fallgruppe für eine Namensänderung. Leider haben die zuständigen Behörden oftmals schon in der Vergangenheit ausschließlich diese Fallgruppe vor Augen gehabt für eine Namensänderung bei Aramäern. Jedenfalls stellt die Nr. 44a NamÄndVwV eine neue Fallgruppe dar, die genau dem Anliegen der Aramäer entspricht.
11.) Was muss ich bei einem Namenszusatz wie „Be“, „Beth“, „Bar“ beachten?
Wenn Du den Namenszusatz „Be“ oder „Beth“ oder „Bar“ dem Familiennamen voranstellen möchte – was wir sehr befürworten -, so kannst Du Dich auf die „Wissenschaftliche Stellungnahme zu den aramäischen Familiennamen“ von Prof. Dr. Shabo Talay vom 02.05.2011 berufen (siehe Anlage zur Musterbegründung). D. h., diese ist als Anlage dem Antrag auf Namensänderung beizufügen. Sie beinhaltet auch noch andere Varianten dieses Namenszusatzes. Grundsätzlich sind alle diese Varianten möglich. Jedoch wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, wenn sich zukünftig eine Variante etablieren würde.
12.) Was spricht für den Namenszusatz „Be“?
Der Namenszusatz „Be“ ist die 1:1-Umsetzung der Namenszusammensetzung im Turoyo-Dialekt (Surayt), den wir seit Jahrhunderten sprechen. Es ist deshalb konsequent, dem Familiennamen das „Be“ voranzustellen. „Beth“ oder „Bar“ ist auch nicht falsch, aber es handelt sich dabei um einen Rückgriff auf das Kthobonoyo-Aramäisch, das wir nur in der Liturgie benutzen.

Hast Du Dich für den Namenszusatz „Be“ entschieden, kannst Du neben der „Wissenschaftlichen Stellungnahme“ von Prof. Dr. Shabo Talay auch auf das Urteil des VG Berlin vom 26.08.2009, Aktenzeichen: 3 A 251.08, veröffentlicht in StAZ 2010, 247-249 (siehe Anlage zur Musterbegründung) verweisen. Es handelt sich um das Urteil, das unserem Juristen beim Bundesverband Benjamin Be Djallo die Führung des Namenszusatzes „Be“ bestätigt wurde. Man kann das „Be“ auch kleinschreiben als „be“.
13.) Warum sollte ich einen Namenszusatz wie „Be“ meinem Familiennamen voranstellen?
Hier geht es letztlich um die aramäische Identität, die dadurch deutlich zum Ausdruck gebracht wird:

1. Zum einen ist ein Aramäer mit dem Namenszusatz „Be“ innerhalb der weltweiten aramäischen Gemeinschaft unmittelbar als Aramäer erkennbar.

2. Je mehr Aramäer sich zu diesem Schritt entschließen, desto eher werden auch Dritte erkennen, dass jemand mit dem Namenszusatz „Be“ aramäischstämmig ist. Es würde sich also zu einem internationalen Standard entwickeln, so wie z. B. ein –son auf einen skandinavischen, ein –yan auf einen armenischen oder ein „Di“ auf eine italienische Abstammung des Namensträgers verweist.
14.) Wie beweise ich meinen ursprünglichen aramäischen Familiennamen?
In der Praxis gibt es so gut wie nie schriftliche Unterlagen zum ursprünglichen Familiennamen, da in der Türkei die Familiennamen überhaupt erst durch das Gesetz 2525 vom 21.06.1934 offiziell eigeführt wurden. Es bleibt Dir als Antragsteller/Antragstellerin somit nichts anderes übrig, als durch schriftliche Bestätigungen Dritter (ggf. in Form einer eidesstattlichen Versicherung) und/oder durch Bestätigung(en) einer Kirchengemeinde/des Pfarrers/eines Vereins darzulegen, unter welchem Familiennamen Du schon seit jeher in der jeweiligen Gemeinschaft bekannt bist (siehe hierzu auch die Anlagen zur Musterbegründung).
15.) Muss ich Erklärungen oder Bestätigungen in eidesstattlicher Form vorlegen?
Nein. Aber eine Erklärung an Eides statt hat aber verbindlicheren Charakter. Eine eidesstattliche Versicherung sollte nur jemand in seiner Eigenschaft als Privatperson abgeben. Vertreter des Kirchenrat, eines Vereins sollten keine eidesstattlichen Versicherungen abgeben. Sie sind durch ihr Amt legitimiert. Gleiches gilt für einen Pfarrer. Auch dieser sollte eine Erklärung nicht als eidesstattliche Versicherung abgeben. Sollte die Behörde darauf bestehen, dass eine eidesstattliche Versicherung von einem Notar bestätigt sein muss, dann musst Du einen solchen aufsuchen. Es ist mit Kosten in Höhe von ca. 60,- € zu rechnen.
16.) Muss ich mehrere Bestätigungen bzw. eidesstattliche Versicherungen einreichen?
Grundsätzlich kann ein einziges Dokument als Nachweis ausreichen. Es geht letztlich um eine Glaubhaftmachung einer Behauptung bzw. Tatsache, die von der zuständigen Behörde gewürdigt wird. Liegen mehrere übereinstimmende Bescheinigungen aus verschiedenen sozialen Bereichen vor, wird die Behörde den Nachweis umso eher als gegeben ansehen.
17.) Verliere ich nach einer Namensänderung meine Rechte in der Türkei, insbesondere Immobilieneigentum?
Nach meiner Kenntnis tritt kein Rechtsverlust ein. Entscheidend ist es ja, nachzuweisen, dass man trotz der Änderung des Familiennamens dieselbe Person ist, die die jeweilige Rechteinhaberin ist. Diesen Nachweis kann man mit der deutschen Urkunde über die Namensänderung, die man ins Türkische übersetzt, erbringen. Auch Rechtsanwalt Rudi Sümer aus Midyat vertritt diese Rechtsauffassung.

Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass im Einzelfall türkische Behördenmitarbeiter missmutig auf die Namensänderung reagieren. Im Ergebnis wird man aber regelmäßig zu seinem Recht kommt.
18.) Ich lebe jetzt seit 30, 40, 50 Jahren mit dem türkischen Familiennamen. Lohnt sich da noch eine Änderung?
Auf jeden Fall. Denn Du hast noch eine lange Zeit vor Dir, in der Du Deinen richtigen aramäischen Familiennamen führen kannst. Vor allem aber musst Du folgendes bedenken: Deine Kinder und alle nachfolgenden Generationen Deiner Familie werden diesen neuen und richtigen aramäischen Familiennamen führen. Die Weichenstellung dafür stellst Du jetzt mit einer Namensänderung.
19.) Ich habe einen nicht so auffälligen türkischen Familiennamen. Der stört mich nicht weiter.
Es geht um Deine Identität. Und die ist nicht Türkisch, sondern Aramäisch. Die Auferlegung des türkischen Familiennamens ist ein willkürlicher Akt gewesen. Er verfälscht Deine ethnischen Wurzeln. Auch wenn der Name nicht für jedermann als türkischer Name erkennbar ist. In einschlägigen Kreisen ist er es. Und früher oder später (demographische Entwicklung) wird er vielleicht doch als türkischer Name erkennbar sein - mit den damit verbundenen Assoziationen.
20.) Die Änderung bedeutet für mich zu viel Aufwand und Kosten.
Aufwand und Kosten sind überschaubar. Personal- und Reisepass, Führerschein und Bankkonto sind mit persönlichem Erscheinen zwecks Unterschrift verbunden. Die Kosten belaufen sich auf ca. 150,- €. Die meisten anderen Änderungen (Versicherungen, Telefon, Miete, etc.) lassen sich bequem per Post bzw. E-Mail mit einem Standard-Schreiben und einer Kopie der Namensänderungsurkunde im Anhang erledigen.

 

Exkurs

1.) Gilt die neue Vorschrift auch für Vornamen?
Grundsätzlich ja, denn gem. Nr. 64 NamÄndVwV gilt die neue Vorschrift Nr. 44a NamÄndVwV auch für Vornamen.

Die neue Vorschrift greift bei der Änderung der Vornamen von Aramäern aber nur mittelbar bzw. vom Rechtsgedanken her. Denn das türkische Familiennamensgesetz 2525, welches die Grundlage für die zwangsweise Einführung der türkischen Familiennamen war, betrifft nicht die Vornamen. Die Aramäer waren gesetzlich nicht gezwungen, türkische Vornamen zu wählen. Trotzdem führen sie oftmals türkische oder „türkisierte“ Vornamen, obwohl sie anders gerufen werden.

Typische Fälle:

Es gab zum einen die Problematik mit dem türkischen Militärdienst, was man als „mittelbaren“ Zwang bezeichnen könnte (siehe entsprechende Musterbegründung).

Dann gab es die Türkisierung der Vornamen in der Schreibweise, wogegen sich sich die Aramäer nicht wehren konnten (siehe entsprechende Musterbegründung).

In Einzelfällen wurde von den türkischen Generalkonsulaten Druck auf aramäische Eltern ausgeübt, ihren in Deutschland geborenen Kindern türkische Vornamen zu geben. Hier kommt es auf die genaue individuelle Sachverhaltsschilderung an, so dass hierfür keine Musterbegründung vorbereitet wurde.

Für weitere Informationen bitten wir um Kontaktaufnahme mit dem Bundesverband der Aramäer in Deutschland.
2.) In meinem Pass (in meiner Geburtsurkunde) steht bei Geburtsort „.../Türkei“. Kann ich „Türkei“ streichen lassen?
Ja, „Türkei“ kann man streichen lassen. Denn dort steht ja „Geburtsort“ und nicht „Staat“. Entscheidend ist, dass der Geburtsort eindeutig identifizierbar ist. Am besten, Du erledigst das parallel zum Verfahren über die Namensänderung und gleichst die beiden Urkunden (Namensänderungsurkunde und Geburtsurkunde) einander an, so dass in beiden Urkunden jeweils den neuen Namen und das richtige Geburtsdatum enthalten ohne den Zusatz „Türkei“.
3.) Ich habe ein falsches Geburtsdatum, ich bin 1, 2, 3... Jahre älter als es im Pass (Geburtsregister) eingetragen ist. Dadurch muss ich länger arbeiten, um in Rente gehen zu können. Kann ich das richtigstellen lassen?
Das kommt darauf an, inwieweit man das frühere und richtige Geburtsdatum beweisen kann. Am besten, Du nimmst Kontakt zum Bundesverband auf.