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PRESSEMITTEILUNG Syrien: 15 aramäische Christen nach wochenlanger IS-Geiselhaft wieder frei PDF Drucken
Samstag, 05. September 2015

Heidelberg, 04.09.2015 – Nach der gewaltsamen Eroberung der südöstlich von Homs gelegenen und strategisch wichtigen Stadt Al-Qaryatayn durch schwer bewaffnete IS-Kämpfer und der Geiselnahme von Hunderten aramäischen Zivilisten vor einigen Wochen.

Heute konnten 15 weibliche Geiseln durch mühsame Verhandlungen frei kommen.

 

Weitere 255 aramäische Christen befinden sich jedoch noch in Händen der Terrormiliz und müssen unter erniedrigenden Scharia-Bedingungen leben, die ein ´IS-Richter´ erlassen hat, darunter auch der im Mai entführte syrisch-katholische Pater des mittlerweile mit Bulldozern zerstörten Klosters Mar Elian, Jacques Mourad.

Nach bestätigten Angaben des zuständigen Erzbischofs Mor Silvanus Petros Al-Nemeh (Syrisch-Orthodoxe Erzdiözese Homs und Hama), wurden die 15 freigelassenen Geiseln im Laufe des heutigen Nachmittags gegen 16 Uhr in Homs in Empfang genommen und medizinisch versorgt.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, zeigt sich über diese Nachrichten nur teilweise erleichtert:

„Die Freilassung der 15 köpfigen Gruppe, bestehend aus drei Kindern, jungen Mädchen und älteren Frauen, stimmt uns natürlich nach Wochen der Besorgnis sehr froh und ist für den Moment ein kleiner Lichtblick. Unser Dank gilt den Verantwortlichen für ihre wochenlangen und letztlich erfolgreichen Bemühungen zur Freilassung dieser Menschen.

Gleichzeitig sind wir in Gedanken bei den übrigen 255 aramäischen Geiseln, die vor ein ´Scharia-Strafgericht´ des IS geführt wurden und nun unter menschenverachtenden Bedingungen in großer Angst unter IS-Herrschaft in Al-Qaryatayn „leben“ müssen.

Die uns vorliegenden Bilder dieser Scharia-Verhandlung und die entsetzten Blicke der Männer sind erschütternd. Ein 12 Punkte-Strafkatalog verbietet den aramäischen Christen unter anderem die freie Ausübung ihres Glaubens, christliche Symbolik und Rituale, schreibt Männern und Frauen eine bestimmte Kleiderordnung und strikte Regeln im Umgang mit Muslimen vor, verlangt völlige Unterwerfung und Gehorsam sowie die Abgabe einer gewissen Geld-/Goldmenge. Bei Verstößen droht das Todesurteil.“

Wir appellieren und rufen die deutsche Bundesregierung und die internationale Staatengemeinschaft auf, sich weiterhin mit aller Entschlossenheit für die Freilassung der unbeteiligten Zivilisten einzusetzen.“, erklärt der Bundesvorsitzende Daniyel Demir weiter.

Der Bundesverband der aramäischen Vereine in Deutschland e.V. setzt sich für die Rechte und Interessen der Aramäer in Deutschland und den Heimatländern ein. Die Aramäer sind ein semitisches Volk, das im Südosten der Türkei sowie in den Ländern des Nahen Ostens beheimatet ist. In Deutschland leben ca. 100.000 Aramäer, in der EU insgesamt bis zu 300.000. Die christlichen Aramäer sind hauptsächlich Angehörige der syrischen Kirchen, darunter syrisch-orthodox, syrisch-katholisch, syrisch-maronitisch, syrisch-chaldäisch, apostolische Kirche des Ostens und Weitere.